Sean Baker hat mit seinen letzten beiden Filmen „The Florida Project“ (2017) und „Red Rocket“ (2021) eindrucksvoll bewiesen, dass er herausragende Milieustudien inszenieren kann. Sein neuer, unerklärlicherweise allseits gefeierter Film „Anora“ (Goldene Palme von Cannes!) gehört leider nicht in diese Reihe.
Die Story: Sexarbeiterin Anora aka Ani (Mikey Madison) lernt in einem russischsprachigen Viertel in Brooklyn den reichen Oligarchensohn Wanja kennen, der sie erst engagiert und dann in Las Vegas spontan ehelicht – sehr zum Missfallen seiner um ihren Ruf besorgten Eltern.
Die folgende Mischung aus Party-/Sexexzess und Entführungskomödie bleibt enttäuschend flach: Die Dialoge wirken banal und die Figuren so oberflächlich, dass sie kaum Identifikationspotenzial bieten.
Lediglich die Schlussszene lässt die Tiefe und Qualität durchscheinen, die Bakers vorherige Werke auszeichneten. Leider zu spät, um die vorherigen zwei Stunden zu retten.