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Unser Berlinale 2025 Recap

Mit dem heutigen Publikumstag geht die Berlinale zu Ende – Zeit für einen Rückblick!
Die neue Intendantin Tricia Tuttle hat nicht nur Stars wie Timothée Chalamet, Ethan Hawke, Margaret Qualley und Robert Pattinson ins verschneite Berlin geholt, sondern auch ein Festival mit beeindruckender Filmqualität kuratiert.

Hier sind unsere Highlights:

„Blue Moon“: Ein cineastischer Glücksgriff für die Berlinale

Mit der Weltpremiere von „Blue Moon“, dem neuen Film von „Boyhood“- und „Before“-Trilogie-Regisseur Richard Linklater, ist Tricia Tuttle ein echter Coup gelungen. Der hochkarätig besetzte Film mit Ethan Hawke, Margaret Qualley und Andrew Scott erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart (Hawke), dessen Leben während der Premierenfeier des Musicals „Oklahoma!“, dem großen Erfolg seines früheren Partners Richard Rodgers, aus den Fugen gerät.

Das dialogreiche Kammerspiel erinnert in seiner Inszenierung eher an einen Theaterabend als an einen klassischen Kinofilm – und bietet nicht nur Ethan Hawke die perfekte Bühne für eine oscarwürdige Darbietung, auch Andrew Scott überzeugte die Internationale Jury derart, dass er den Silberner Bär für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle erhielt.

Unsere Wertung:

„If I Had Legs I’d Kick You“: Rose Byrne brilliert am Rande des Wahnsinns

Dass Rose Byrne schauspielerische Fähigkeiten weit über das hinausgehen, was ihr ihre bekanntesten Filme „Brautalarm“ und „Bad Neighbors“ abverlangten, hat sie spätestens mit ihrer grandiosen Performance in der Serie „Physical“ bewiesen. Auch in „If I Had Legs I’d Kick You“ überzeugt sie als Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs, die von der mysteriösen Krankheit ihrer Tochter, einer verschwundenen Patientin und ihrem – nicht nur metaphorisch – einstürzenden Zuhause heimgesucht wird.

Die intensiven Close-Ups auf Byrnes Gesicht in Kombination mit ihrer oscarreifen Darstellung (dafür gab es zurecht den Silberner Bär für die beste schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle) und überraschend gelungene Auftritte von Conan O’Brien und A$AP Rocky in Nebenrollen machen „If I Had Legs I’d Kick You“ zu einem der Highlights der diesjährigen Berlinale.

Unsere Wertung:

„Lurker“: Beklemmendes Psychodrama mit herausragendem Cast

Alex Russell, der bereits als Autor für die Erfolgsserien „The Bear“ und „Beef“ in Erscheinung trat, gelingt mit „Lurker“ ein beklemmendes Psychodrama über Ruhm, toxische Machtverhältnisse, Abhängigkeit und verzweifeltes Geltungsbedürfnis.

Théodore Pellerin („Beau Is Afraid“) spielt den „Lurker“ Matthew, dem es gelingt, Zugang zum inneren Circle des Popstars Oliver (Archie Madekwe, bekannt aus „Saltburn“) zu erhalten. Doch schnell wird deutlich, wie austauschbar Matthew für den erfolgstrunkenen Oliver und seine Entourage ist – und wie weit er zu gehen bereit ist, um seinen Platz innerhalb Olivers Gefolgschaft nicht zu verlieren.

Mit „Lurker“ legt Alex Russell ein überzeugendes Regiedebüt vor, das bereits in Sundance gefeiert wurde. Getragen von zwei hervorragenden Jungdarstellern, zieht der Film das Publikum mit einer Mischung aus maximalem Fremdscham und tiefem Unbehagen bis zum fulminanten Finale in seinen Bann. 

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„Mickey 17“: Bong Joon-ho kehrt mit dystopischem Sci-Fi-Film zurück

Sechs Jahre lang wartete die Welt auf Bong Joon-hos ersten Film nach dem internationalen Sensationserfolg „Parasite“, einem der besten Filme der 2010er-Jahre.

So viel vorweg: „Mickey 17“ erreicht vielleicht nicht ganz die Tiefe und erzählerische Originalität seines Vorgängers, doch Bong Joon-ho liefert erneut eine gnadenlose Gesellschaftskritik, verpackt in einen fesselnden Sci-Fi-Thriller und mit Robert Pattinson in Höchstform.

Die Story: Mickey Barnes heuert als sogenannter „Expendable“ auf einer Raummission an und muss sich den gefährlichsten Aufgaben stellen – mit dem vermeintlichen Vorteil, dass er im Falle seines Todes durch einen Bioprinter einfach neu ausgedruckt wird. Doch was passiert, wenn nicht nur ein neuer Mickey existiert?

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„La Tour de Glace“: Ein filmischer Schneekristall

Im Frankreich der 1970er-Jahre flieht die 16-jährige Jeanne (Clara Pacini) aus einem Kinderheim und findet Zuflucht in einem Filmstudio, wo Hans Christian Andersens „Die Schneekönigin“ verfilmt wird und die geheimnisvolle Diva Cristina (Marion Cotillard) die titelgebende Hauptrolle spielt. Zwischen dem Mädchen und der Schauspielerin entwickelt sich eine gegenseitige Faszination, die allmählich in Obsession umschlägt. Die Grenze zwischen Set und Realität beginnt zu verschwimmen.

Regisseurin Lucile Hadžihalilović schafft in ihrem vierten Spielfilm einen melancholischen, vielschichtigen Meta-Film über das Filmemachen. Die wunderschönen, märchenhaften Bilder der Schneelandschaften und der Filmkulissen bleiben noch lange im Gedächtnis und verleihen dem Film eine unverwechselbare Atmosphäre. Dafür gab es den Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung.

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„Reflet dans un diamant mort“: Ein visueller Rausch, der den Plot hinter sich lässt

Eines vorweg: „Reflet dans un diamant mort“ ist nicht der richtige Film für alle, die einen klaren Plot erwarten – denn dieser ist nahezu nicht existent. Doch für diejenigen, die ein Faible für atemberaubend originelle Bilder und unkonventionelle Schnitte haben, wird der Film von Hélène Cattet und Bruno Forzani zu einem wahren visuellen Genuss.

„Reflet dans un diamant mort“ ist eine liebevolle Hommage an die südeuropäischen Eurospy-Filme der 60er Jahre und entfaltet seine ganze Magie in einer kurzweiligen Mischung aus stilisierter Ästhetik und faszinierenden Bildkompositionen.

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„Hot Milk“: Ein dramatisches Familienporträt, das sich selbst überfordert

Eines der international am meisten erwarteten Regiedebüts der diesjährigen Berlinale kam von Rebecca Lenkiewicz. „Hot Milk” spielt im Sommer in einem spanischen Fischerdorf und fokussiert die komplexe Beziehung zwischen der jungen Rose (Emma Mackey) und ihrer kontrollsüchtigen Mutter (Fiona Shaw), die aufgrund einer mysteriösen Krankheit im Rollstuhl sitzt. Die Dynamik zwischen Tochter und Mutter ist gelungen, und beide Schauspielerinnen liefern beeindruckende Darstellungen, doch der Film verliert an Klarheit, als ein zusätzlicher Handlungsstrang mit der Touristin Ingrid (Vicky Krieps) hinzukommt, in die sich Rose verliebt. Dieser führt zu einer weiteren Ebene von Traumata, die dem Film leider eine gewisse Überladenheit verleihen.

Unsere Wertung:

„A Complete Unknown“:  Großartiger Hauptdarsteller in einem mittelmäßigen Biopic

Nach gefeierten Premieren in London, Paris und Rom folgte nun die Berlinale: In Bezug auf den Prominenz-Faktor war „A Complete Unknown“ sicherlich einer der größten Erfolge, die Tricia Tuttle verbuchen konnte. Schließlich spielt niemand Geringeres als der derzeit vielleicht angesagteste und talentierteste Jungdarsteller Hollywoods, Timothée Chalamet, die Hauptrolle in diesem Bob-Dylan-Biopic.

Am Valentinstag brachte er nicht nur seine Herzensdame Kylie Jenner mit (was dazu beigetragen hat, die Berlinale auch in die entferntesten Ecken der Welt zu tragen, schließlich hat Kylie eine der größten Social Media-Reichweiten überhaupt), sondern liefert auch eine täuschend echte Darstellung von Bob Dylan – inklusive Gesangs- und Gitarreneinlagen. 

Doch leider bleibt dies der größte Pluspunkt des Films von James Mangold: Im Vergleich zu seinem herausragendem Biopic „Walk the Line“ über das Leben von Johnny Cash lassen einen die Gedanken nicht los, dass a) Dylans Leben vielleicht nicht genug Substanz für einen 141-minütigen Film bietet und b) man wirklich ein großer Dylan-Fan sein muss, um die (über)langen musikalischen Einlagen zu schätzen.

Unsere Wertung: